ZU EHREN DES MANNES, DEN ICH NICHT VERGESSEN KANN
AUS DEN ERINNERUNGEN VON ANNE PAQ, GESCHRIEBEN MIT ALA QANDIL UND DYLAN COLLINS
Nach einer Woche Berichterstattung über die israelische Offensive im Gazastreifen hatte mein Körper auf Autopilot geschaltet: Equipment nehmen, einen höher gelegenen Punkt suchen, hochklettern, Kamera ruhig halten, dokumentieren. Und natürlich die Menschen nach ihren Namen fragen – oft war es nicht möglich, viel mehr zu bekommen als das. Oft musste ich mich entscheiden, ob ich noch einige Fotos machen will oder denjenigen nachrenne, die ich gerade fotografiert hatte. Ich hoffte, sie würden mir ihre Namen nennen, trotz der vielen überstürzten Beerdigungen, der Hektik auf den Krankenhausfluren, den mit Leichen, Blut, Schweiß und den Tränen der Hinterbliebenen befleckten Leichenhallen. In den Krankenhäusern bekamen wir meist Nachrichten über die letzten Angriffe. Im Krankenhaus von Chan Younis, ganz im Süden des Gazastreifens fanden wir heraus, in welchem Ausmaß Tod und Zerstörung das Dorf Khuza’a getroffen hatte:
Der Innenhof des Krankenhauses war voller Menschen, die es geschafft hatten aus Khuza’a zu fliehen, einem belagerten Dorf in der Nähe. Krankenwagen kamen kaum durch die Menschenmenge. Manche weinten, andere schrien und jeder versuchte, die Sanitäter in den ankommenden Krankenwagen nach Verwandten zu befragen. Viele Überlebende mussten fliehen und verletzte und tote Familienmitglieder zurücklassen. Sie erzählten uns von Dutzenden Toten, von Menschen, die noch immer im Bombenhagel gefangen waren; von Krankenwagen, die nicht zu den Verletzten vordringen konnten, von den vielen zerstörten Häusern ihres Dorfes.